max baur archiv
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Max Baur (1898-1988) gilt als einer der grossen Photographen des 20. Jahrhunderts. In seinem Schaffen war er stark durch die Avantgarde und das Bauhaus beeinflusst. Mit seiner eigenwilligen künstlerischen Arbeit wie auch mit seiner meisterhaften Auftragsphotographie für Werbung und Industrie etablierte Baur ganz neue, eigene Sichtweisen - dabei immer Meister der schlichten Eleganz, mit einem begnadeten Gefühl für die Schönheit der einfachsten Formen. In seiner Architektur- und Industriephotographie nimmt Max Baur die formalen Ausdrucksmittel heutiger, zeitgenössischer Photographen voraus.
Baurs Landschaftsphotographien sind Bilder von dramatischer Kraft und erinnern an die grosse Zeit der amerikanischen Landschaftsphotographie und ihrer Photographen, wie bspw. Ansel Adams. So zählt Max Baur auch zu den herausragendsten europäischen Landschaftsphotographen seiner Zeit.
Seine eindrucksvollen Stilleben schliesslich erinnern an die für das Bauhaus so prägende Sachphotographie. Es waren für die damalige Zeit provokante, formatfüllende Abbildungen einzelner Objekte - von unglaublicher Schlichtheit und Eleganz, raffiniert in Lichtführung und Perspektive. Teile von Baurs Werk erinnern an die Stilrichtung der "Neuen Sachlichkeit".
Da die Photographie die graphischen Künste in den 1920er-Jahren zunehmend aus dem Bereich der Bildwerbung verdrängte, entwickelte sich die Werbung zu einem lukrativen Auftraggeber vieler Photographen. Max Baur arbeitete u.a. für Kodak, Siemens und zahlreiche andere Firmen, sowie für verschiedene namhafte Architekturbüros.
William A. Ewing, Direktor des Musée de l´Elysée Lausanne, schreibt: Mit Licht zu "schreiben" erforderte Gewandtheit und Geschick; dass Baur Kalligrafie liebte und als Hobby betrieb, sagt viel über ihn aus. Sorgfalt, grösste Aufmerksamkeit für Details und schwungvolle Linien waren Kennzeichen seiner Photographie.
Erste photographische Tätigkeit 1924. 1928 Gründung eines Ateliers und Postkarten-Verlages in Wernigerode. 1930 Gesellen- und Meisterprüfung, Berufung in die GDL (Gesellschaft Deutscher Lichtbildner). Ab 1933 Bekanntschaft und Korrespondenz mit Hermann Hesse, der ein Sammler seiner Photographien wird. 1934 Umzug nach Potsdam, wo er bis 1953 lebt und arbeitet. Es entstehen Architektur-, Industrie-, Sach-, Landschafts-, Portrait- und Werbeaufnahmen. Während dieser Zeit Bekanntschaft mit dem Potsdamer Philosophen Ottfried Eberz und den Schriftstellern Hermann Kasack und Werner Wilk sowie dem Musiker Wilhelm Kempff. 1953 zieht Baur mit der Familie von Potsdam nach Aschau (Bayern), verbunden mit einem wirtschaftlichen Neubeginn. Er stirbt am 16.12.1988 nahe München.
Die Abbildung einer weissen Rose aus dem Verlag Max Baurs inspirierte im Oktober 1941 den Soldaten Fritz Rook zu einem Text über das, was eine weisse Rose für ihn ausdrückt. Dieser Text wiederum gefiel Alexander Schmorell so gut, dass er die Adressatin, Lilo Fürst-Ramdohr, bat, diesen abschreiben zu dürfen, um ihn seinem Freund Hans Scholl zu zeigen. So geht die Namensgebung der gleichnamigen antifaschistischen Widerstandsgruppe auf ein Photo Max Baurs zurück.
Quelle: Lilo Fürst-Ramdohr "Freundschaften in der Weissen Rose"
Verlag Geschichtswerkstatt Neuhausen, München 1995
ISBN 3-931231-00-3
Das Max Baur Archiv umfasst über 20.000 Negative, mehrere hundert Abzüge, Vintages und Later Prints in unterschiedlichen Formaten, sowie Kassetten, Mappenwerke und original Photo-Postkarten.
1898
Geburt 04.Februar in Günzburg a.d. Donau
Verstorben 16.Dezember 1988 nahe München
1914 - 16
Ausbildung als Buchhändler
1917
Einberufung zum 1. Weltkrieg
1918
Rückkehr von der Front nach Verwundung eine Woche vor Ausbruch der Novemberrevolution
1919 - 27
Verschiedene Arbeiten und Weiterbildungen
1928
Photowerkstätte, Ateliers und Postkarten-Verlag in Wernigerode (Harz)
1930
Gesellen- und Meisterprüfung
Berufung in die GDL (Gesellschaft Deutscher Lichtbildner)
1934 - 53
Leben und Arbeiten in Potsdam & Berlin (-er Umland)
Photographische Arbeiten in den Themengebieten
. Architektur
. Industrie
. Sachphotographie
. Landschaft
. Portrait
. Werbung
1933
Beginn Bekanntschaft und Korrespondenz mit Hermann Hesse, der Baur aus dem Ausland bittet
für ihn einige Dinge in Berlin zu erledigen und Arbeiten Baurs erwirbt
1944
Baur entzieht sich als Gegner von Nazis und Krieg dem Einzug zur faschistischen Deutschen Wehrmacht durch Desertion nach Süddeutschland
1946
Neugründung eines Postkarten-Verlages
1953
Umzug von Potsdam nach Aschau (Bayern), verbunden mit einem wirtschaftlichen Neubeginn für Baur und seine Familie
1954 - 88
Errichtung und Betrieb eines Ladens für Photographie
Weitere photographische Schwerpunkte:
. Bayerische Landschaften und Barockkirchen
. Die Arbeiten der Bildhauer Riemenschneider und Ignatz Günther
Publikation von Kalendern und Büchern
PUBLIKATIONEN
1928 Postkarten-Verlag Max Baur, Wernigerode
1932 Die schöne Welt, Vorwort Manfred Hausmann, Plant Verlag, Wuppertal
1934 Erster Max Baur Kalender
1937 Erster grosser Bildband, Potsdam, Ein Bilderwerk, Carl Specht Verlag, Berlin
1937 Mandi - Ein Kinderleben in Bildern
1940 Potsdam, Verkehrsverein Potsdam, Verlag Rütten & Loenig
1954 Sanssouci, Ernst Gall, Verlag Karl Robert Langewiesche, Königstein/Ts.
1960 Tilman Riemenschneider, Flechsig-Verlag, München
1963 Potsdam wie es war, Rembrandt-Verlag, Berlin
1967 Der Chiemgau - Kunst und Landschaft, Ulrich Häussermann, Verlag DuMont, Köln
1970 Ignatz Günther, Wolfgang Steinitz, Pannonia-Verlag, Freilassing
1981 Potsdam/Sanssouci - Bilder der Erinnerung 1934-1939, Rembrandt Verlag Berlin
1985 Die Schwäbische Alp - Bilder einer Landschaft
1991 Das alte Potsdam, Dr. Klaus Arlt, Potsdamer Verlagsbuchhandlung Potsdam
2001 max baur - photographien 1925 -1960 - im geist des bauhaus
Stephan Steins (Herausgeber), Essay von William A. Ewing, Stemmle Publishers,
Zürich / New York, ISBN 3-908163-22-6
WEITERE LITERATUR
1929 Das Deutsche Lichtbild, Jahresschau 1930, Verlag Robert & Bruno Schultz, Berlin, S.36
1932 Das Deutsche Kind, Verlag der Eiserne Hammer, Karl Robert Langewiesche, Königstein und Leipzig, S.28
1933 Licht ist dein Kleid, M. Feesche Verlag, Hannover, S.9, 19
1933 Werkbund "Die Form", Wilhelm Lotz, Verlag W.u.S.Loewenthal, Berlin, 1. Ausg.
1937 Das Deutsche Lichtbild, Bruno Schultz Verlag Berlin, S.8
1938 Der Autotourist, Verlag Gebr. Jänecke Hannover, S.155, 279
1938 Einweihung des Neubaues der Reichskanzlei Berlin, 3 Abb.
1939 Architektur und Bauplastik der Gegenwart von Werner Rittich, Rembrandt-Verlag, Berlin, S.68, 75
1941 Photo-Illustrierte, Berlin, 6. Jahrg. Nr. 11, S.2
1948 Die Photographie, Nr. 1, Verlag Wilhelm Knapp, Halle/Saale, S.14
1951 Die Photographie, Frebr.-Ausgabe, Verl. Wilh. Knapp, Halle/Saale, S.43
1957 Die schöne Heimat, Verlag Karl Robert Langewiesche, Königstein/Ts.,S.126,137,174
Deutsche Burgen, Verlag Karl Robert Langewiesche, Könistein/Ts., S.87
1961 Barocke Kunst um Ulm, Adolf Herrmann, S.29, 30, 32, 33
Oberammergau, Vorwort Hans Obergethmann, Verlag Ludwig Simon, München, S.56, 57, 63, 66, 67
1995 Freundschaften in der Weissen Rose, Lilo Fürst-Ramdohr, Verlag Geschichtswerkstatt Neuhausen, S.13
1996 Spaziergang in Potsdam, Georg Hermann, Rembrandt Verlag, Berlin
1998 100 Jahre Kunst im Aufbruch, Berlinische Galerie zu Gast in Bonn, Katalog S.158,159
2001 Staatsbibliothek zu Berlin - Preussischer Kulturbesitz, Mitteilungen 1/2001
Mit dem Jahrhundert - Ausstellung zum 100. Geburtstag von Werner Wilk, S.1, 6
2006 FACTS, Museum Ludwig, Katalog, S. 231
2006 DIE LIEBE ZUM LICHT, , Museum Celle, Katalog, S. 122
2006 DIE LIEBE ZUM LICHT, Städtische Galerie Delmenhorst, Katalog, S. 122
2007 DIE LIEBE ZUM LICHT, Museum Bochum, Katalog, S. 122
2009 WUNDERKIND POTSDAM, Wolfgang Joop, Inga Griese und Edwin Lemberg, Rolf Heyne Collection, München, S. 22+23
2009 GÜNZBURG, Franz Reißenauer, Wißner Verlag, Augsburg, Bd. 2, S. 762
2010 PORTICUS, Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, Berlin-Brandenburg
2010 The Lucid Evidence, Susanne Gaensheimer / Mario Kramer, Museum für Moderne Kunst, Frankfurt a.M., S. 89, 90, 91
2010 SPUTNIK, Fritz Simak / Andra Spallart, Edition Lammerhuber, Baden, Austria, S. 11
Von Max Baur herausgegebene Mappenwerke (Auswahl)
Potsdam / Sanssouci
Das alte Potsdam
Potsdam wie es war
Die Garnisonkirche zu Potsdam
Schöne deutsche Städte
Schönheit der Landschaft
Gruss aus Deutschland
Architekturbüro von Estorff und Winkler Bauten
Röntgeninstitut Dr. Joachim Hintze, Berlin
Berlin
Dresden
Wernigerode
Auf der Insel Rügen
Hiddensee
Rothenburg o.T.
Kirchen
Riemenschneider
Kunst im Chiemgau
Die Wartburg
AUSSTELLUNGEN (Auswahl)
1971 Haus des Ostens, Berlin
1979 Stadtmuseum München
1981 Potsdam wie es war, Wolfenbüttel
1981 Potsdam, Wolfgang Schulz, Stiftung Deutschlandhaus, Berlin
1982 Kulturamt Aschau/Chiemgau
1991 Potsdam, Rathaus Potsdam
1995 Galerie Tobias Hirschmann, Frankfurt/Main (Gruppenausstellung)
1996 Rathaus Potsdam, Gruppenausstellung: von Estorff & Winkler, Architekten
1998 Potsdam Museum, Potsdam
1999 Die Berlinische Galerie in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn (Gruppenausstellung)
2000 Kunsthaus Lempertz, Köln und Berlin
2001 Galleria D`Arte Moderna, Bologna (Gruppenausstellung)
2002 Fotografie Forum Frankfurt, Frankfurt/Main
2003 Galerie F.A.C. Prestel, Frankfurt/Main (Gruppenausstellung)
2003 Harzmuseum, Wernigerode
2004 Fotografie Forum Frankfurt, Frankfurt/Main (Gruppenausstellung)
2005 Galerie argus photokunst, Berlin
2005 Galerie Esther Woerdehoff, Paris, art cologne
2006 Photo London - Max Baur Vintages
2006 Museum Ludwig - Sammlung Agfa, Köln (Gruppenausstellung)
2006 Museum Celle - Robert Simon Stiftung (Gruppenausstellung)
2006 steins art consulting, Frankfurt/Main
2006 Städtische Galerie Delmenhorst (Gruppenausstellung)
2006 Potsdam Museum
2007 Union International Club, Frankfurt/Main
2007 amj design Quartier 206, Friedrichstr., Berlin
2009 Galerie BRAUBACH five., Frankfurt/Main
2009 Georg Meistermann Museum, Wittlich, IM LICHT DER NEUEN SACHLICHKEIT (Gruppenausstellung)
2010 Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, MAX BAUR - SANSSOUCI
SAMMLUNGEN (Auswahl)
Albertina, Wien
Berlinische Galerie, Berlin
Bundesarchiv, Koblenz
Fotografie Museum im Münchner Stadtmuseum
Hermann Hesse Archiv, Bern
Kunstbibliothek, Berlin
Museum of Fine Arts, Houston
Museum Ludwig, Köln
Museum für Moderne Kunst, Frankfurt/Main
Potsdam Museum
Sammlung Henkel, Düsseldorf
Sammlung Oppenheim, Köln
Stadtmuseum Günzburg/Donau
Stadtmuseum Wernigerode/Harz
Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Berlin
Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Potsdam
Copyright © max baur archiv 2012